Joey Kelly machte früher Musik mit der legendären „Kelly Family“. Heute ist er Extremsportler und absolvierte bereits über 40 Marathons, über 30 Ultramarathons, 9 Wüstenläufe, 3mal das Radrennen „Race Across America“ von der West- zur Ostküste der USA, verschiedene Ironmans, sowie über 100 Halbmarathons, Kurzdistanztriathlons und Kurzdistanzwettkämpfe.

Wir haben Joey Kelly beim IMS in Brixen interviewen dürfen und ihn zu seinen Abenteuern befragt, wie wichtig gutes Equipment ist und wie er seine unglaublichen und ehrgeizigen Ziele erreicht.

Joey Kelly

Joey Kelly – ein Extremsportler mit ehrgeizigen Zielen. (Foto: Thomas Stachelhaus)

In 17 Tagen und 23 Stunden durchquerte Joey Kelly im September 2010 Deutschland von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze. Auf seinem 900 km langen Fußmarsch, ohne Geld, ernährte er sich nur von dem was die Natur ihm gab, täglich mindestens 50 km. Im Winter 2010/2011 bestritt er mit Markus Lanz im deutschen Team den „Wettlauf zum Südpol“. In 10 Tagen legten sie eine Strecke von 400km zurück, bei Temperaturen bis zu -40 Grad, 100 Jahre nach dem legendären Wettkampf zwischen Scott und Amundsen.

mySPORTLER: Was begeistert dich am Extremsport?

Joey Kelly: Das Ganze. Es ist eine Mischung aus Abenteuer, ein Ziel vor Augen haben, die Reisen in unterschiedliche Länder, verschiedenen Kulturen und Menschen kennenlernen… Es ist das ganze Paket, das mich reizt. Einen Wettkampf vor Augen zu haben und zu trainieren.

Wie sieht ein typischer Trainingsplan von dir aus?
Ich bin in einem Verein und hab einen Trainer, mit dem ich auch befreundet bin. Mit ihm zusammen mache ich meinen Trainingsplan, der auf jeden einzelnen Wettkampf abgestimmt und optimiert wird. Dabei stellen wir uns fragen, wie: welches Equipment brauchen wir und welchen Zeitraum müssen wir einplanen.

Wie wichtig ist eine gute Ausrüstung und worauf legst du wert?

Es kommt darauf für welchen Ort und für welches Klima. Wenn ich an den Nordpol denke, wo ich nächstes Jahr laufen will, da kann es -10 Grad oder -30 Grad haben. Deshalb muss ich dabei mehrere Dinge beachten und dementsprechendes Equipment mitnehmen, das ich dann halt je nach Wetter einsetze. Dabei überlege ich, was ich brauche: Zelt, Matten, Schlafsäcke, Nahrung, Kocher und so weiter. Equipment ist unglaublich wichtig!

Wie findest du die Südtiroler Berge und bist du hier auch manchmal unterwegs?

Ich bin bereits oft hier gewesen, so habe ich zum Beispiel den Ortler bestiegen und mache auch immer wieder Urlaub in Südtirol. Es ist ein unglaublich schöner Fleck hier.

Joey Kelly

Joey Kelly bei den Bieler Lauftagen. (Foto: Thomas Stachelhaus)

Was kann man tun, um seine Ziele zu erreichen und sich nicht vom Weg abbringen zu lassen?

Indem man nicht aufgibt und einfach dranbleibt. Wenn man Niederlagen erlebt, muss man wieder aufstehen und neue Ziele verfolgen. Ich persönlich lerne auch mehr von Niederlagen als von ständigem Erfolg. Manchmal steht man auch vor einer Wand und weiß nicht, wie es weitergeht und man zweifelt. Doch wenn man dranbleibt, platzt irgendwann der Knoten und man bekommt wieder Rückenwind. Man muss kämpfen, um wieder hochzukommen. Das Kämpfen zahlt sich aus. Und wir brauchen nicht jammern, denn uns Europäern geht es richtig gut. Deswegen kann ich jungen Menschen nur empfehlen, Sport zu machen. Sport fordert Ehrgeiz, gibt körperliche Kraft und spornt an. Man muss an sich glauben, Mut haben und mit Disziplin ein Ziel erfolgen.

Wie bist du damals mit dem Erfolg der Kelly Family umgegangen?

Wir hatten einige Zeit keinen Erfolg, der Durchbruch kam 1994. Dann ging es vom Marktplatz in die großen Arenen und Stadien. Das war musikalisch der maximale Erfolg, den man schaffen kann. Es war eine harte aber schöne Zeit. Es war teilweise wie im falschen Film. Zuerst haben wir auf der Straße gespielt und dann auf einmal vor 50.000 Menschen. Wir hatten sechs bis acht Jahre Erfolg mit der Kelly Family. Im Jahr 2002 ist unser Vater leider verstorben und dann ging jeder seine eigenen Wege. Es gibt immer Kehrseiten beim Erfolg. Die Medienwelt ist eigentlich Gift für junge Menschen, weil es einfach sehr unreal ist und es viele falsche Leute gibt. Wenn man keinen Erfolg mehr hat, sind auch bestimmte Leute und angebliche Freunde auf einmal nicht mehr da. Wir hatten den Vorteil, dass wir eine gemeinsame Familie waren und zusammengehalten haben. Mein Vater war sehr streng und hat dafür gesorgt, dass jeder diszipliniert seinen Weg geht.

Welche neuen Projekte hast du geplant und wohin wird deine persönliche Reise gehen?

Geplant habe ich einen 100km Lauf, einen 24-Stundenlauf, einen 400km Outdoor-Wettkampf, nächstes Jahr eine Nordpol-Expedition und wahrscheinlich den Deutschlandlauf wieder – 900km von der Nordsee zur Zugspitze, nur von der Natur leben. Das sind die Pläne.

Wahnsinn. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Interview: Thomas Haberer

Joey Kelly

Joey Kelly im Interview mit mySPORTLER Blogger Thomas Haberer. (Foto: haberer media)

Zum Onlineshop

Alles für deinen Sport findest du im SPORTLER-Onlineshop!

Zum Onlineshop