Mehr als ein Job – Wanderbegleiterin

>Mehr als ein Job – Wanderbegleiterin

Unsere Suche nach „Outdoor Jobs für Frauen“ hat uns nach Innsbruck geführt. Dort haben wir uns mit der gebürtigen Osttirolerin Julia Gussnig getroffen. Wie es sich für eine echte Wanderbegleiterin gehört haben wir Julia nicht in einem Cafe in der Stadt – sondern standesgemäß hoch über Innsbruck auf der Hungerburg getroffen. Unser Ziel für den Nachmittag: Eine gemütliche Wanderung auf die Umbrüggler Alm, und ein ausführliches Gespräch zum Thema Wandern, Reisen, Gruppendynamik.

Bei unserer ersten Begegnung ist sofort klar: Julia sticht durch ihr gewinnendes Lächeln aus der Menge der versammelten Wanderer und Touristen heraus. Da geht es wohl nicht nur um´s Wandern, sondern auch darum die Natur und das Leben zu genießen. „Ich bin während meines Studiums über eine Jobanzeige gestolpert“ schildert Julia ihren Einstieg in diesen Beruf.

SPORTLER: Welche Voraussetzungen benötigt man um als Wanderbegleiter/in tätig sein zu können?

Julia Gussnig: Mein Jobinterview vor einigen Jahren verlief sehr unspektakulär. Ich wurde gefragt welche Fremdsprachen ich beherrsche, ob ich einen Führerschein bzw. Fahrpraxis besitze und wie gut meine Erst-Hilfe Kenntnisse sind. Es ging vor allem darum mich Kennenzulernen und ein Gefühl für mich als Mensch zu entwickeln.

Heißt das man braucht lediglich einen Führerschein, einen Erste Hilfe Kurs und los geht’s?

Ja,  und ein paar anständige Wanderschuhe aus der Sportler Wanderabteilung … (lacht) In erster Linie geht es darum, ein großes Interesse am Umgang mit Menschen zu haben und ein Know-How für das jeweilige Zielgebiet zu entwickeln. Die von uns durchgeführten Reisen sind zwar sehr professionell geplant, dennoch ist man vor allem in entlegenen Gebieten immer wieder mit Überraschungen konfrontiert. Dann ist es wichtig diese kleinen Herausforderungen professionell und mit Charme zu lösen. Meistens handelt es sich um kleine Probleme (z.B. ist ein Weg wegen Waldarbeit gesperrt oder eine Cafepause kann nicht in der bereits von mir angepriesenen Taverne eingenommen werden).

Das klingt alles recht unspektakulär. – Scheint ein lockerer Job zu sein?

Naja: Wenn du mit einer Gruppe von 10 Leuten bei Hitze 4 Stunden gegangen bist und dann sind die letzten 200 Meter Weg bis zum Bella Vista gesperrt, kann die vielzitierte Gruppendynamik eine ungewollte Richtung einschlagen.

Wird dann kurz gejammert und nach einigen Minuten sind wieder alle bei der Sache? Oder wie kann man sich das vorstellen?

Grundsätzlich können wir durch aktive Planung und einem guten Netzwerk vor Ort viele Themen vorab ausschalten. Wenn jedoch tatsächlich mal was schief geht denke ich, dass wir offen und ehrlich mit unseren Gästen damit umgehen müssen.

Gibt es Erlebnisse aus deinem Job, die besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja natürlich – eine ganze Menge! Es sind die kleinen Dinge, die einem in Erinnerung bleiben. Begegnungen mit netten Gästen oder auch mit den Einheimischen vor Ort. Oder so eine Nebensächlichkeit wie der Sonnenuntergang an der Steilküste von Kalabrien. Man erlebt bei einer Wanderreise täglich unzählige positive Erlebnisse. Aber der Sonnenuntergang (obwohl er nur einen Bruchteil der Tageszeit ausmacht) bleibt bei mir immer am stärksten in Erinnerung.

Gibt es auch negative Erfahrungen?

Ich sehe es als meine Aufgabe als Wanderbegleiterin negative Erlebnisse so gering wie möglich zu halten. Die Teilnehmer unserer Touren bezahlen über 1.000,- EUR für eine einwöchige Reise. Sie haben einen Anspruch auf perfekte Organisation und gute Betreuung. Im Idealfall werden sämtliche negativen Elemente von uns entschärft bevor der Gast das merkt.

Nehmt ihr euch da nicht ein bisschen viel vor?

Wir können nicht jede Situation vorhersehen, aber wir können proaktiv Handeln. Als Beispiel möchte ich den Unfall im Gelände nennen. Natürlich kann es uns passieren, dass wir irgendwo im Nirgendwo einen Wanderunfall haben. Das läßt sich auch nie ganz ausschließen, aber durch Kenntnis der Gegend und unserer Gäste können wir einschätzen ob jemand z.B. konditionell ans Limit kommt oder nicht. Wenn dennoch ein Unfall passiert können wir zumindest durch laufende 1. Hilfe Fortbildungen sicherstellen, dass wir rasch und zielgerichtet handeln.

Welches Wandergebiet bietet für dich den größten Reiz?

Die Reisen von Bärkopf-Adventures finden vorwiegend im Mittelmeerraum statt. Ich mag die Leichtigkeit, die sich bei einer Mediterranen-Wanderreise ergibt. Das Meer, das Wetter und natürlich das gute Essen. Mir ist es dabei ziemlich egal ob Spanien, Italien oder Griechenland das Ziel ist. Jedes der Gebiete hat seinen eigenen Reiz.

Laufen alle Wanderreisen gleich ab?

Wir haben ein Grundkonzept und das lautet: „Individuelle Wanderreisen in Kleingruppen“. Der Genuss und das Erleben von Land, Leuten und Küche stehen bei den klassischen Wanderreisen eindeutig im Vordergrund.

Heuer starten wir 2 neue Projekte bei denen der Focus weniger nach außen, sondern vor allem nach innen gerichtet ist. Beim „Walk of Silence“ und der Wanderwoche „Yoga & Wandern für Frauen“ auf Menorca geht es auch ganz stark um den Einklang mit sich selbst.

Eine Reise zu sich selbst. Das ist mitunter das spannendste Reiseziel.

Wir wünschen Julia alles Gute für die Zukunft und noch viele schöne Wandererlebnisse.

Selbst Lust auf Action bekommen? Die passende Ausrüstung findest du hier bei uns im SPORTLER-Onlineshop.

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2018-05-08T09:59:42+00:00

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