adidas – Ein Blick hinter die Kulissen

>adidas – Ein Blick hinter die Kulissen

INTERVIEW

Karriere bei adidas: Ein Südtiroler in Oregon, USA

Florin Pichler, Jahrgang 1983, ist Produktmanager im Bereich Running Footwear bei adidas. Wie kam er zu diesem Job? Was sind seine Aufgaben und welcher ist sein Lieblingsschuh? Er gewährt uns einen exklusiven Blick hinter die Kulissen .

dpr pure boost

Lieber Florin, erstens mal vielen Dank, dass du dir für ein Interview für das SPORTLER Magazine Zeit nimmst. Das freut uns sehr. Erzählst du uns kurz etwas über dich?

Sehr gerne. Ich bin in Eggen, nahe Bozen, aufgewachsen und lebe seit über zwei Jahren in Portland, Oregon, USA, wo ich für adidas arbeite.

Wie kamst du zu adidas?

Ich hatte immer ein Interesse für Sport, Mode, Trends und Technologien und fand adidas als potentiellen Arbeitgeber spannend, da die Marke viele dieser Bereiche verbindet. Ich war nach dem Abschluss an der Universität Cattolica in Mailand (Studiengang Wirtschaft) auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und wollte unbedingt ins Ausland. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt, in der Wirtschaftskrise von 2007/2008, immer noch ein relativ sicherer Arbeitsmarkt, der Einsteigern gute Möglichkeiten bot. Ich hatte mehrere Kontakte innerhalb des Unternehmens und war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort mit meiner Bewerbung. Schlussendlich kam ich mit den zuständigen Personen für das Brand Marketing für den Bereich Fußball für die WM 2010 in Südafrika in Kontakt und wenige Tage später war ich schon in Herzogenaurach (in Mittelfranken, Bayern; Sitz des adidas Headquarters, A.d.R.).

Würdest du uns deinen Werdegang kurz zusammenfassen?

Ich bin seit 2009 bei adidas und war in unterschiedlichen Bereichen der Firma tätig. Angefangen habe ich im Brand Marketing für den Bereich Fußball. Anschließend bin ich in das Footwear Management & Development für adidas Originals gewechselt, wo ich, unter anderem, für das Modell adidas Superstar zuständig war, bevor ich dann 2013 zu adidas Running gewechselt habe. Dort war ich für die Markteinführung der Schuhtechnologie Boost zuständig und, unter anderem, daran beteiligt, den Laufschuh Ultraboost auf den Markt zu bringen.

Welche sind deine jetzigen Aufgaben?

Seit 2013 bin ich als Produktmanager im Bereich Running Footwear tätig (zuerst in Deutschland, seit 2015 in Portland). Mein Fokus liegt auf der Entwicklung und Vermarktung von Runningmodellen: Ich bin zuständig für das Briefing (die Grundidee) und die Creation Phase bis hin zum Moment der Markteinführung. Ich arbeite mit einem Team von Designern und Ingenieuren zusammen, um die Qualität und die Funktion sowie die Tests der Schuhe zu kontrollieren. Man muss heutzutage auf jeden Fall auch der Ästhetik des Produkts große Aufmerksamkeit schenken, da Runningschuhe einen sehr weiten Verwendungszweck finden.

Florin Pichler Interview

Wie kann man sich den Prozess vorstellen, wenn ein neues Modell entwickelt wird?

Wir arbeiten in Seasons, die grundsätzlich einem Retail-Prozess folgen: Spring/Summer und Autumn/Winter. Je nach Season planen wir unsere Schwerpunkte zeitlich ein. Hinzu kommt, dass ich verantwortlich für die Planung eine kompletten Produktkategorie bin; in meinem Fall, bei Running, war ich für die Linie Ultraboost und bin nun für die Linie Alphabounce zuständig.

In einem ersten Schritt analysiere ich die Grundmotivationen eines Läufers, seine Technik und seine Anforderungen an den Laufschuh basierend auf Gewicht, Passform, Verwendungszweck etc. Zu diesen Informationen komme ich durch Interviews mit Läufern rund um die Welt. Zudem scannen wir die Füße der Läufer mit einem 3D-Verfahren, um eine bessere Analyse der Fußform zu erhalten. Eine der Fragen ist also: Welche sind diese kleinen inneren emotionalen Treiber, die jemanden zu einem gesunden und aktiven Lebensstil bewegen? Gleichzeitig verbinde ich diese Einsichten mit allgemeinen Laufsport-Trends, die sich über die Zeit entwickeln. Außerdem liegt mein Augenmerk darauf, Trends vorherzusagen, die den Lifestyle im Bereich Gesundheit, Sport, Leben, Mode beeinflussen. Das Resultat ist ein sogenannter Brief an meine Designer und Entwickler für die neuen Produkte, die wir im Verlauf des Kreationsprozesses verfeinern und weiterdefinieren.

Wie viele Menschen sind dabei involviert? Wer macht was?

In meiner aktuellen Funktion sind wir ein Team von ca. 25 Leuten, die zwischen Marketing, Design, Entwicklung, Testing und Future Development (Zukünftige Entwicklung) zusammenarbeiten.

Wie lange braucht es vom Startschuss zum fertigen Prototyp?

Wir arbeiten etwa 8 bis 24 Monate an einem Projekt, abhängig von der Komplexität der Technologien, die wir in das Produkt einarbeiten. Im Falle von Ultraboost haben wir ca. 18 Monate daran gearbeitet.

Wer testet die Modelle/Prototypen?

adidas Running hat heute ein weites Netz von Testern zwischen Athleten, die von uns gesponsert werden, und Läufern, die tagtäglich Produkte für uns testen.

Kannst du uns auch Geheimnisse verraten?

Ich bin immer wieder überrascht, wie komplex Produktablaufe in der Schuhentwicklung sind. Jeder Fuß, jede Körperhaltung ist einzigartig und unser Bestreben ist es, Tag für Tag individuelle Lösungen dafür zu finden. Mit unseren neuen Entwicklungen im Bereich von 3D gedruckten Schuhen kommen wir diesem Ansatz immer näher.

Wie wichtig ist die Technik und wie wichtig die Ästhetik eines neuen Modells?

Eine Grundphilosophie von adidas ist Form follows function – Wir glauben fest daran, dass Innovation der Grundsatz unserer Arbeit und Entwicklung ist. Wir haben die Möglichkeit, das Leben und die Gesundheit von Menschen positiv durch Sport zu beeinflussen und das allein ist Motivation genug, tagtäglich den Bereich Running neu zu überdenken und zu beeinflussen. Die Ästhetik eines Modells ist eine Konsequenz der Funktion und beeinflusst die emotionale Ebene eines Sportlers. Es gibt doch nichts Schöneres, als einen Laufschuh zu besitzen, den man anschaut und der einen zum Laufen motiviert. Es ist immer wieder super zu hören, wenn Leute ein Produkt von adidas gekauft haben und dir erzählen, dass sich damit ihr Leben positiv verändert hat.

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Gibt es wirklich so große Unterschiede zwischen den Dämpfungssystemen der verschiedenen Marken? Wird da auch kopiert?

Jede Marke entwickelt eigene Dämpfungssysteme, die dem Laufempfinden angepasst werden. adidas hat in dieser Hinsicht eigene Standards, auf deren Basis wir unsere Dämpfungssysteme definieren. Boost ist eine Dämpfungsinnovation, die in Zusammenarbeit mit BASF (weltweit führendes Chemieunternehmen, A.d.R.) entstanden ist, und hat in puncto Dämpfung und Energierückgewinnung aktuell die besten Rückmeldungen auf dem Markt. Wir sehen, dass die Boost Technologie eine neue Entwicklungswelle von Dämpfungssystemen ausgelöst hat, der sich weitere Marken sicher anschließen werden.

Ist die Entwicklung länderspezifisch?

Wir haben Produkte, die länderspezifisch entwickelt werden, da wir unterschiedliche Konsumenten weltweit ansprechen. In den USA, zum Beispiel, gibt es einen größeren Fokus auf College-Athleten, die aus dem Track and Field (Kombi von Laufen, Springen, Werfen) und Cross Country (Geländelauf) Bereich kommen, in Japan liegt der Fokus im Bereich Halbmarathon, Marathon und 10-km-Lauf. Beeinflusst von diesen länderspezifischen Tendenzen im Laufsport entwickeln wir Produktstrategien.

Wo werden die Schuhe produziert?

Wir produzieren hauptsächlich in Asien. Jedoch hat adidas inzwischen neue Produktionsansätze für Speedfactories. Speedfactories sind kleinerer Produktionsanlagen, die wir in Deutschland und den USA besitzen, um Produktionszyklen dynamischer zu gestalten; damit sind wir in der Lage, der Nachfrage schneller und genauer zu begegnen.

Nach welchen Kriterien werden die Materialien ausgesucht?

Materialien werden aufgrund ihrer technologischen Eigenschaften im Zusammenhang mit ihrem Verwendungszweck ausgewählt. Laufschuhe für die Straße haben andere Eigenschaften als Trail Running Schuhe und daher verändert sich auch die Materialauswahl. Inzwischen finden Strickmaterialen wie das adidas Primeknit in unterschiedlichen Kompositionen eine breitere Anwendung, da Strukturen individuell auf die Funktion angepasst werden können.

Welcher ist dein Lieblingsschuh?

Ich laufe sehr gerne in Adizero Adios Boost. Darüber hinaus bin ich immer noch ein Fan von Ultraboost, an dem ich als Produktmanager beteiligt bin.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin einen guten Lauf für alles!

Der PureBoost DPR von adidas

Die Straße gehört dir

Der Natural-Runningschuh für Herren punktet mit seiner reaktionsfreudigen Boost-Dämpfung: Je mehr Energie du gibst, desto mehr bekommst du zurück. Dank der geringeren Sprengung (8 mm) und des breiteren Vorfußbereichs, schenkt dir dieser Schuh auch bei Sprints und scharfen Kurven um enge Häuserecken besten Bodenkontakt und somit eine optimale Traktion. Die Stretchweb Außensohle unterstützt das natürliche Abrollverhalten und bietet auch bei Nässe Grip. Durch den neuen Look mit dem gewobenen Obermaterial, wird der Schuh auch ästhetisch unverwechselbar. Und genau diese Kombination von coolem Aussehen und Komfort hat ihm auch den Durchbruch in der Fashionwelt verschafft, in der er ganz groß rauskommt.

Geschichte:

  • Nach dem Tüfteln in einer Waschküche, kam 1924 der erste Gründungsschritt und die Gebrüder Dassler Schuhfabrik war geboren. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten gingen die Brüder aber einige Jahre später getrennte geschäftliche Wege: Rudolf gründete 1948 das Unternehmen Ruda (aus Rudolf Dassler), das später in Puma umbenannt wurde, während sein Bruder Adi (Adolf) Dassler 1949 Adidas gründete. Auch das berühmte Markenzeichen der 3 Streifen war damals geboren.
  • Das erste Produkt war ein sehr leichter Fußballschuh mit auswechselbaren Schraubstollen. Der Sportler ist im Mittelpunkt, die Produkte sollen ihm dienen, seinen Sport bestmöglichst ausführen zu können.
  • Nach den Schuhen kam die Bekleidung dazu. Seit 1970 liefert adidas den offiziellen Spielball für die Fußball-Weltmeisterschaften. Im Jahr 1972 (Olympische Spiele in München) stellte adidas das Dreiblatt vor, sein neues, zukunftsträchtiges Logo. Im Laufe der Zeit eroberten die 3 Streifen immer mehr Sportarten; auch die Bergsteigerlegende Reinhold Messner erklomm in adidas Schuhen immer höhere Gipfel. 1984 baute man einen Chip in den Schuh, 1986 war, dank einer unverhofften Partnerschaft mit einer Hip-Hop-Band, der Startschuss für die Street Fashion.
  • 1987 kam adidas, mit dem Tod des Sohnes (Ausscheiden der Dassler-Familie), an den Rand des Ruins. Dank einer neuen Führung mit dem Slogan We knew then, we know now, Innovationen und dem Kauf der Salomon Gruppe kam das Unternehmen zurück auf Wachstumskurs.
  • In den 2000ern gab es diverse Führungswechsel. adidas führte als erster Anbieter der Branche neben dem Sport Performance Angebot ein Lifestyle-Segment ein, das sportinspirierte Streetwear als Schwerpunkt hat. Neue Werbekampagne: Impossible is Nothing.
  • 2006 trennte man sich von Salomon, und adidas übernahm das Unternehmen Reebok, später noch weitere Firmen. Spätestens seit der Kampagne All in 2011 steht adidas für Bekleidung und Schuhe für jeden Sport, jede Mode und jeden Stil, für Sportler ebenso wie für Fashionistas.
  • 2013 präsentiert adidas den Laufschuh Energy Boost mit einem vollkommen neuen Dämpfungsmaterial. Seit 2015 gilt das neue Credo Creating the New: Durch Sport will adidas die Menschen jeden Tag aufs Neue inspirieren.
  • Schlussplädoyer: Die Mode- und Sportartikelbranche untergeht einer fortlaufenden Revolutionierung, in der Lifestyle auf der Fusion von Gesundheit und Fitness basiert. Die Bereiche Streetwear und Fashion boomen. Damals stand adidas für Leistung, heutzutage symbolisiert die adidas Originals Kollektion Lifestyle und Straße. Drei Mal hoch!
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2018-05-08T10:01:13+00:00

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