Das Haydn Auditorium war brechend voll. Mehr als 600 Plätze waren innerhalb weniger Tage vergeben. Simone Moro und sein abenteuerliches Leben als professioneller Bergsteiger inspirieren und ziehen auch die Menschen in Südtirol in ihren Bann. Die Veranstaltung, organisiert von SPORTLER und The North Face, war ein voller Erfolg.

Am 23. November 2016 sind mehr als 600 Menschen in das Haydn Auditorium gekommen, um Simone Moro und seine Erzählung von der legendären Winterbesteigung des Nanga Parbat zu hören, zu sehen und zu fühlen. Simone Moros Erzählungen beziehen das ganze Leben mit ein. Mit seiner Begeisterung und Spontaneität, seinem Humor und seiner Lebensfreude zieht er das Publikum in seinen Bann. Simone, er zaubert in den Bergen und mit den Wörtern.

Simone Moro

Simone und Emilio

Nach der Begrüßung des CEO von SPORTLER, Jakob Oberrauch, betrat der Moderator Emilio Previtali die Bühne. Die Aufmerksamkeit des Publikums hatte er mit seinen herrlichen Anekdoten seiner gemeinsamen Mittelschulzeit mit Simone gleich ganz für sich. Emilio: „Simone war schon immer ein Träumer. Simone fand immer seinen Weg, fand den Weg, seine Träume zu verwirklichen. Er lernt aus seinen Fehlern, und dies zeugt von einer hohen Form von Intelligenz.“ Emilio und Simone sind Expeditionskameraden und sind bereits gemeinsam am Nanga Parbat gewesen.

Simone Moro

Simone und Tamara

Dann springt Simone auf die Bühne. Das Publikum ist neugierig und kann es kaum erwarten, seine Geschichte zu hören. Er erzählt, wie er damals auf Tamara traf, im Jahr 2009, sie war eine Schülerin seiner Frau. Auf dem Maturaball fragte sie ihn: „Simone, nimmst du mich in den Himalaya mit?“ Simon sagte ja ohne sich dabei viel zu denken. Und siehe da, nach einigen Jahren sind es wirklich die beiden, die eine Winterbesteigung ohne Sauerstoff auf den Nanga Parbat wagen.

Simone und der Nanga Parbat

Für Simone war es der vierte Versuch, den Nanga Parbat zu besteigen. Wenn man bedenkt, dass jede Expedition etwa 3 Monate dauert, dann hat Simone ein ganzes Jahr seines Lebens in diesen Berg investiert. Ein Berg, der seit 30 Jahren von niemandem erobert werden wollte.

Ein 8.000er im Winter

Der Unterschied zwischen einer Winter- und einer Sommerexpedition ist nicht nur die Temperatur. Das eigentliche Problem ist der Wind, der einem die Kälte noch unerträglicher macht. Und da es im Winter nur sehr wenige Schönwetterfenster gibt, braucht es zudem noch eine gehörige Portion Geduld für das Ausharren.
Es gab sechs Expeditionen, die zur gleichen Zeit versuchten, den Nanga Parbat zu besteigen. Aufgrund widriger Wetterbedingungen mussten jedoch alle, auch Simone und Tamara, nachdem sie für einundeinhalb Monate den Aufstieg versucht hatten, die Segel streichen. So kam es, dass Tamara Lunger und Simon Moro im Basislager auf den Basken Alex Txicon und den Pakistaner Ali Sadpara trafen. Simone: „Es bildete sich eine sehr bunte Gruppe, die sich als ein tolles Team entpuppte. Wir waren überzeugt, dass die Kombination mit meiner Erfahrung, der Positivität von Tamara und den Fixseilen, die Alex und Ali angebracht hatten, eine gewinnende war. Zusammen fühlten wir uns stark.”

Simone Moro

Das Wetter, der Gipfel, der Sturz

Das Wetter wollte einfach nicht mitspielen. Bis zum Anruf vom bekannten österreichischen Meteorologen Karl Gabl, der Simon mitteilte, dass ein Schönwetterfenster im Anmarsch war, wie er noch keines zuvor in Simones Karriere gesehen hatte. So beschloss die Gruppe, auch wenn Tamara und Simone erst eine Nacht auf 6.100 m geschlafen hatten, und somit nicht genug Zeit gehabt hatten sich zu akklimatisieren, sich Richtung Gipfel zu machen.
So kam der 26. Februar 2016. Sie starteten sehr spät, um 6 Uhr, um zu vermeiden, dass sie wegen der Dunkelheit vom Weg abkommen könnten und auch, damit sie mehr Sonne während des letzten Teils des Aufstiegs hatten – die Sonne ist bei gefühlten -58°C ein wahrer Segen.
Wie die letzten Meter vor dem Gipfel abliefen, weiß man mittlerweile, denn dieser historische Moment war in den Medien monatelang präsent. Die Füße sind schwer, es fehlt der Sauerstoff. Nach nur wenigen Schritten, etwa sieben, muss man eine Minute Pause machen. Dann erst geht es weiter. Ein schwieriger Kampf, kaum nachzuvollziehen. Schließlich erreichen Simone, Alex und Ali die Spitze. Ein Gedanke von Simone auf dem Gipfel: „Wir wissen zwar, dass die Erde rund ist, aber der Ausblick vom Nanga Parbat, zu sehen, dass der Horizont rund ist, das ist ein wahrhaftig galaktisches Gefühl.“ Simone ist es wichtig, dem Publikum auch die Geschichte von Tamara zu erzählen, die nicht als Frau, sondern als Bergsteiger(in) gesehen werden will und es nicht annimmt, wenn man sie anders behandelt, nur weil sie eine Frau ist. Somit wusste auch keiner der drei, dass Tamara, neben der fehlenden Zeit für die Akklimatisierung auch noch ihre Tage bekommen hatte, was ihren Körper zusätzlich auf die Probe stellte. Kurz vor dem Erreichen des Gipfels hörte Tamara eine innere Stimme: „Du kannst es auch auf den Gipfel schaffen, aber du kommst da nicht wieder lebendig runter.“ Tamara folgte der Stimme und drehte um. Während des Abstiegs musste sie allerdings über eine Gletscherspalte springen, landete unglücklich, fiel hin und rutschte einige hundert Meter steil nach unten. Dabei verletzte sie sich die Bänder des Sprunggelenks und der Schulter. Sie schaffte es dennoch zurück zum Zelt, schaltete die Stirnlampe ein und war auf diesem Weg der Schutzengel für ihre Gruppe, die in der mittlerweile herabgesunkenen Dunkelheit Schwierigkeiten hatte, sich zu orientieren.
Für Simone wurde der Nanga Parbat ganz klar von ihnen vier bestiegen.

Expedition Nanga Parbat

Das Finale

Im Auditorium war es während des ganzen Abends still, die positive Spannung nahm alles und alle ein. Die fast schon andächtige Stille wurde nur von einigen Lachern nach köstlichen Anekdoten von Simone unterbrochen sowie vom Applaus nach einigen Höhenpunkten von Simones Erzählung. Simone hat verzaubert alle.
Simone: „Jeder von uns hat einen Traum. Man muss ihn an die Hand nehmen, ihm das Gehen lehren und sich mit ihm auf den Weg machen. Man kann selbst entscheiden, ob man sein Leben als eine Reihe von Sonnenaufgängen oder von Sonnenuntergängen sehen will. Geht euren Träumen nach, dann findet ihr das Glück.“

Simone Moro

Fotogalerie: Vortragsabend mit Simone Moro