Bereits am Samstag, 03.09.2016 machen sich Bernd Zwinger und ich (der mit dem Bart) auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen, um die Registrierung für das Rennen vorzunehmen. Am Expo-Gelände viele vertraute Gesichter, die Trailfamilie kennt sich. Die Registrierungsstraße ist professionell eingerichtet und es geht zügig durch die einzelnen Stationen. Am Ende erhält jeder von uns eine Tasche von Salomon mit der personalisierten Startnummer. Diese Tasche wartet in jedem Etappenort im Hotel auf uns, damit wir nach dem Rennen nicht zusätzlich unser Gepäck durch die Gegend schleifen müssen. Bei den Top-Teams merkt man die erste Anspannung. Wir genießen die Atmosphäre vor Ort und beschließen nach einiger Zeit, unser Hotelzimmer aufzusuchen.

Am Sonntag werden wir von meiner Frau und einer Bekannten mit unseren Taschen zum Start gebracht. Erstmals sieht man, was es bedeutet, wenn 300 Teams sich versammeln. Meine persönliche Anspannung steigt vor dem Rennen. Bernd ist ein sehr starker Athlet mit viel Erfahrung. Dagegen wirke ich wie ein junger Welpen, der das erste Mal auf der großen Bühne läuft. Die letzten Minuten vor dem Start drängen wir uns weit nach vorne, um eine optimale Startposition zu erlangen. Zu den Klängen von Highway to hell stimmt sich die Trailfamilie auf die bevorstehende Etappe ein. Nach dem Startschuss geht alles sehr schnell. An der Spitze wird von der ersten Minute an ein hohes Tempo gelaufen. Bernd und ich versuchen, das Tempo ebenfalls zu laufen. Wir fühlen uns wohl und finden ein gutes Tempo. Die Zuschauer peitschen die Läufer über die Trails. An der ersten Labestation angelangt, erblicke ich sofort ein bekanntes Gesicht. Meine Frau hat sich entschlossen, mir auf der ersten Etappe zu folgen. Dies motiviert natürlich und das Laufen von Station zu Station fällt somit etwas leichter. Die Teams haben sichtlich Spaß an dem Rennen. Teilweise wird Smalltalk betrieben und die Stimmung ist gut. Was ich persönlich besonders schön finde ist, dass sich die Teams gegenseitig anfeuern und motivieren. Alle sind aus dem gleichen Grund am Start. Dem Erlebnis GORE-TEX Transalpine Run 2016. Der Zieleinlauf am ersten Tag ist sehr beeindruckend und nach 36 Kilometern merkt man, dass das Teambuilding definitiv geglückt ist. Gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen, mit dem anderen kämpfen, aufeinander aufpassen, den Teampartner verstehen lernen: Dies sind nur einen Dinge, die sich während des Rennens ereignen. Nach der ersten Etappe konnten wir uns auf dem 38. Gesamtrang positionieren. Im Hotel angekommen, wird alles daran gesetzt, die leeren Speicher wieder aufzufüllen und die Beine zu lockern. Am Abend steht die erste Pasta-Party am Programm mit der täglichen Siegerehrung der Schnellsten. Eine sehr entspannte Umgebung mit Freunden und eine tolle Stimmung.

Am nächsten Morgen kann man die Anstrengung des Vortages deutlich merken und erstmals kann man sich vorstellen, dass dieses Gefühl in den nächsten Tagen nicht unbedingt besser werden würde. Die zweite Etappe führt uns von Lermoos nach Imst. Da ich mich am Vortag während des Rennes übergeben musste, spüre ich leichte Ermüdungserscheinungen. Die Strecke führt über teilweise bekannte Trails quer durch das Tiroler Oberland, in dem ich in vergangenen Jahren viel Zeit verbracht habe. Ein Gefühl von Coming Home stellt sich bei mir ein. Bernd unterstützt mich bei allen Belangen. An den Labestationen ist er mein persönlicher Betreuer, der mir die Flaschen füllte oder mir Nahrung reichte, während ich weiterlaufe. In den Momenten, in denen die Arme schwer werden, nimmt er meine Stöcke und erleichtert mir das Vorankommen. Es ist erst der zweite Tag und ich bin über jeden Augenblick dankbar, an dem Bernd an meiner Seite ist. Den Zielbereich können wir einige Kilometer vorher schon erkennen und die Motivation, so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen, steigt. Im Ziel angekommen, stehen dieselben Tätigkeiten an, die wir am Vortag auch gemacht haben: die Zeit im Zielbereich genießen, alles Mögliche essen und mit Freunden über den Trail reden.

Mit dem dritten Tag steht die Königsetappe an, weil bei dieser Etappe knapp 48 Kilometer und 3.000 Höhenmeter im Aufstieg bewältigt werden müssen. In der Früh verspüre ich bereits starke Schmerzen im Bereich der rechten Wade. Dieser Schmerz ist mir vom vorherigen Tag sehr gut bekannt. Nach den ersten 20 Kilometern und 1.000 Höhenmetern muss ich bei einer Labestation das erste Mal bei einer Medical Crew um Rat fragen. Die Aussichten, in den kommenden Stunden ins hochalpine Gelände zu laufen und dort eine Bergung zu riskieren, steht für mich in keinem Verhältnis. Inzwischen ist mein Tempo unter normales Spazierengehen gefallen und Bernd ist ständig an meiner Seite, um mich zu unterstützen. An diesem Punkt eine Entscheidung zu treffen, fällt mir sehr schwer. Jedoch entscheide ich für das Team oder besser für meinen Teampartner, dass es sinnvoller ist, an diesem Punkt das Rennen zu beenden. Bernd bleibt noch einige Zeit bei mir. Er vergewissert sich, dass es mir den Umständen entsprechend gut geht und läuft anschließend weiter. Ich glaube, so fühlt sich ein laufbegeisterter Hund, wenn sein Herrchen die Schnürsenkel seiner Schuhe zusammenbindet und ohne ihn laufen geht. Bestens betreut durch das Organisationsteam, werde ich in den Zielort nach Mandarfen im Pitztal gebracht. An diesem Punkt ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren von PlanB Company. Die Herzlichkeit und Liebe zu dieser Veranstaltung ist deutlich spürbar. Egal wen man etwas fragen muss, man bekommt immer eine freundliche und hilfreiche Auskunft. Für mich steht somit das DNF (Did Not Finish) hinter meiner Startnummer und mit sehr viel Wehmut verlasse ich den Rennzirkus.

Bernd knallt die Etappen in gewohnter Professionalität bis nach Brixen durch. Ich bin täglich über alle möglichen Social Media Kanäle mit den Teilnehmern verbunden und Bernd und ich telefonieren nach den Etappen. Eine Aussage bleibt mir dabei besonders hängen, und zwar als Bernd sagt, dass ich ihm auf den Trails fehle. Die gemeinsame Zeit war sehr prägend für mich und ich habe viele neue Ansätze für die nächste Saison kennengelernt.

Was für eine Veranstaltung, was für Menschen, die ich treffen durfte. Ich glaube, diese Erfahrungen kann man nicht mit Geld aufwiegen. Dankeschön an die Firma SPORTLER, die mir diesen Traum ermöglicht hat. Sprachlos und immer noch beim Verarbeiten vom Erlebten bleibt mir nur mehr zu sagen „Keep on running“.