Patrick Konrad: „Die Giro-Vorbereitung beginnt im November“

>Patrick Konrad: „Die Giro-Vorbereitung beginnt im November“

In wenigen Wochen, am 4. Mai, geht es mit dem 101. Giro d’Italia los. Gestartet wird in Israel, dann geht es in Italien weiter. Vom Süden aus geht es in Richtung Norden, wo die schwierigen Bergetappen warten. Wir haben mit dem Österreicher Patrick Konrad gesprochen. Der 26-Jährige, der für das Team Bora-Hansgrohe fährt, hat beim Giro d’Italia einiges vor. Was genau, und wie es ist, wochenlang mit dem Fahrrad durch ein Land zu treten, hat er uns im Interview verraten.

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(Bild: Ralf Scherzer) Patrick Konrad startet beim Giro d’Italia 2018 für das Team Bora Hansgrohe

  • Patrick, nicht mehr lange und es geht mit dem Giro d’Italia los. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Ich komme gerade von der Baskenland-Rundfahrt zurück und habe vor dem Giro noch ein straffes Rennprogramm. Unter anderem werde ich bei den Ardennenklassikern, die mir sehr wichtig sind, an den Start gehen.

  • Wann hast du damit begonnen, dich auf den Giro 2018 vorzubereiten?

Jeder Radprofi hat eine Grand Tour als Saisonziel. Bei mir ist es der Giro. Für einen Rundfahrer, wie ich es bin, ist diese Tour das Highlight der Saison. Deshalb beginnt die Vorbereitung schon mit dem Saisonstart Anfang November. Den letzten richtigen Trainingsblock vor dem Giro hatten wir im März.

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(Bild: Bettiniphoto) Jeder Radprofi hat eine Grand Tour als Saisonziel. Bei mir ist es der Giro.

“Radfahren ist ein Teamsport. Es ist wichtig, dass man sich kennt und weiß, wie die Abläufe funktionieren.”

  • Du sprichst vom „wir“. Ist Radfahren ein richtiger Teamsport?

Ja, Radfahren ist ein Teamsport. Wir haben ein großes Team und Fahrer aus der ganzen Welt. Richtig zusammen ist man nur im Dezember, ansonsten hat jeder sein eigenes Rennprogramm. Allerdings hat jeder Fahrer seinen Kern. Ich bin viel mit Lukas Pöstlberger (er hat im Vorjahr eine Giro-Etappe gewonnen), Felix Großschartner und dem Trentiner Cesare Benedetti unterwegs. Das ist der Giro-Kern unseres Teams. Es ist wichtig, dass man sich kennt und weiß, wie die Abläufe funktionieren.

  • Wie sehen deine Aufgaben beim heurigen Giro aus?

Vor einem Jahr bin ich das erste Mal um eine gute Platzierung in der Gesamtwertung gefahren. Zudem war ich Helfer für Sam Bennett, der einige Male auf dem Podest gestanden ist. Das ist heuer anders. Ich kann mich komplett auf mich konzentrieren. Das ist ein großer Vorteil.

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(Bild: Bettiniphoto) Ich bin von den Bergfahrern einer der Sprintstärksten.

“Es gibt zwei Fahrer, die als Doppelspitze die Gesamtwertung in Angriff nehmen. Einer dieser beiden Fahrer bin ich.”

  • Das heißt, es geht um eine gute Gesamtplatzierung?

Aller Voraussicht nach schon. Jeder im Team hat eine bestimmte Aufgabe. Es gibt Fahrer, die sind nur dazu da, die Sprintspezialisten auf der Zielgeraden in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Es gibt Helfer für die Bergetappen und zwei Fahrer, die als Doppelspitze die Gesamtwertung in Angriff nehmen. Einer dieser beiden Fahrer bin ich. Allerdings kann es auch sein, dass ich bei einzelnen Etappen um den Sieg mitfahren soll.

  • Im Vorjahr warst du am Ende Gesamt-16. Wie sehen deine Ziele für den heurigen Giro d’Italia aus?

Im letzten Jahr hatte ich ein bisschen Pech. Eine Erkältung während des Giros hat mich zurückgeworfen und ich habe viel Zeit verloren. Natürlich möchte ich mich heuer in der Gesamtwertung verbessern. Wenn alles perfekt läuft, wäre ein Platz unter den besten Zehn das Traumziel.

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(Bild: Ralf Scherzer) Patrick Konrad strebt beim Giro d’Italia 2018 eine Plazierung unter den ersten 10 an

“Wenn alles perfekt läuft, wäre ein Platz unter den besten Zehn das Traumziel.”

  • Wenn du es dir aussuchen könntest: Lieber eine Etappe gewinnen oder ein Top-10-Gesamtplatz?

Wenn ich eine Etappe gewinne und am Ende Gesamt-18. werde, wäre es auch ein erfolgreicher Giro gewesen. Genauso, wie eine Topplatzierung in der Gesamtwertung einen erfolgreichen Giro bedeuten würde. Mit Platz 18 in der Gesamtwertung und nur Top-10-Platzierungen bei einzelnen Etappen, wäre ich aber nicht zufrieden. Das ist für mich persönlich zu wenig.

  • Der Giro dauert drei Wochen lang. Da kann man nicht jeden Tag Vollgas geben, oder?

Nein, das ist nicht möglich. Am Anfang schaut man: Wie gut kommt man in den Giro rein? Man muss wissen, wo man bewusst ein bisschen Zeit verlieren kann. Beim Zeitfahren kann man zum Beispiel mit viel Kraftaufwand vielleicht eine Minute herausholen. Aber lohnt es sich beim Zeitfahren ans Limit zu gehen, wenn ich dann bei den kommenden Bergetappen zehn Minuten verliere? Es ein kleines Pokerspiel.

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(Bild: Stihl Photography) Es gibt eine riesengroße Leidenschaft für den Giro d’Italia. Ich freue mich sehr darauf.

“Außerdem merkt man, dass der Radsport in Italien zuhause ist. Es gibt eine riesengroße Leidenschaft für den Giro d’Italia.”

  • Zeitfahren oder Bergspezialist: Was zeichnet den Radprofi Patrick Konrad aus?

Ich bin ein sehr konstanter Fahrer und auf allen Terrains gut aufgestellt. Kein reiner Bergspezialist, dafür bin ich mit meinen 65 Kilogramm zu schwer. Allerdings bin ich von den Bergfahrern einer der Sprintstärksten. Was ich beim bergauf fahren verliere, bin ich im Sprint oder beim Zeitfahren schneller. Zu mir wird immer gesagt: „Wenn du mit den Bergfahrern auf die Zielgerade kommst, gewinnst du!“

  • Du hast bereits alle drei Grand Touren, die Vuelta, den Giro d’Italia und die Tour de France, bestritten. Was macht den Giro so besonders?

Der Giro ist viel familiärer als die Tour de France. Es ist ein Riesenevent mit extrem vielen Zuschauern. Manchmal fährt man durch ein Dorf und alles ist rosarot. Die Streckenführung ist schwieriger als bei der Tour. Trotzdem herrscht nicht so ein Riesenrummel. Zudem kann im Mai wetterbedingt alles passieren. Es kann sehr heiß sein und zwei Tage später hast du auf den Bergetappen null Grad und Schneefall. Das alles macht den Giro zum Lieblingsrennen vieler Fahrer. Außerdem merkt man, dass der Radsport in Italien zuhause ist. Es gibt eine riesengroße Leidenschaft für den Giro d’Italia. Ich freue mich sehr darauf.

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2018-06-11T10:59:42+00:00

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